Die Radreisen von Wolfgang und mir wurden von Jahr zu Jahr länger: 2013 sind wir mit einem verlängerten Wochenende auf dem Rennsteig-Radweg gestartet, 2017 ging es dann schon von Venedig nach Rom. 2018 haben wir die Rhone von der Quelle bis zur Mündung begleitet, 2019 sind wir von Zagreb nach Bozen gefahren. Für 2020 hatten wir uns dann etwas ganz besonderes vorgenommen: Großritannien End to End, von Land's End in Südwestcornwall bis John o' Groats in Nordostschottland. Es kam bekanntlich anders, Auslandsreisen waren in der Hochphase der Pandemie schwierig. Wir haben die Fährtickets auf 2021 umgebucht und uns einen Plan B ausgedacht: Deutschland End to End, von Sylt nach Oberstdorf. Doch auch 2021 hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Fährtickets wurden auf 2022 umgebucht und wir brauchten einen neuen Plan B: Österreich End to End, vom Bodensee zum Neusiedler See.
Dieses Jahr war es dann endlich so weit: Taschen packen, mit dem Zug nach Rotterdam, mit der Fähre nach Harwich, mit dem Fahrrad quer durch London und in Penzance die Radreise gestartet. Eine abendliche Schleife nach Land's End, am nächsten Morgen ging es dann richtig los: Im Linksverkehr durch Rosamunde-Pilcher-Land, mit steilen Anstiegen, rasanten Abfahrten und wunderbaren Bahntrassenradwegen. Bis die ersten Erkältungssymptome kamen. Nach drei Tagen war klar: Covid. Quarantäne. Abbruch. End to end wird wieder nichts. Den Great Britain Pechvogel Award verleihen wir uns in einem Einzimmer-Airbnb in Barnstaple, in dem man nicht mal aus dem Fenster schauen kann.
Wir hatten bei gemeinsamen Radreisen schon einen Sonnenstich in Italien und meterhohen Schnee in der Schweiz; wir hatten in Kroatien so viel Schlamm zwischen Schutzblech und Reifen, dass sich das Rad nicht mehr gedreht hat; wir sind bei Sturm an der Nordsee geradelt und bei unmenschlicher Hitze am Neusiedler See. Aber noch nie haben wir eine gemeinsame Radreise abbrechen müssen. Einmal ist immer das erste Mal.
Immerhin 358 Kilometer (inklusive Rotterdam - Hoek van Holland und London) und 3.983 Höhenmeter haben wir vor der Quarantäne geschafft. Aber es ist noch ein langer Weg bis Nordostschottland... den werden wir dann nächstes Jahr erneut versuchen. Wir freuen uns jetzt schon so lange auf diese Tour, da macht es das eine Jahr mehr oder weniger jetzt auch nicht mehr aus...
Das beschriftete Fotoalbum der diesjährigen Kurzreise findet ihr hier.


